Gibt es ein Umgangsrecht der Großeltern mit ihren Enkelkindern?

Nach dem Gesetz ist jeder Elternteil zum Umgang mit seinem Kind verpflichtet und auch berechtigt. Dagegen haben Großeltern und Geschwister nur dann ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient.

Fall:

Die Großeltern väterlicherseits begehren Umgang mit ihrem jetzt sechs Jahre alten Enkelsohn. Dieser lebt im Haushalt seiner alleinsorgeberechtigten Mutter. Der Vater ist tödlich verunglückt. Im Zusammenhang mit der Erbfolge kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Großeltern und der Kindesmutter. Die Mutter lehnt nunmehr einen Umgang der Großeltern ab und behauptet u. a., das Kind wünsche keine Besuche. Das Familiengericht hat den Antrag der Großeltern auf Gewährung von Umfang mit ihrem Enkelkind zurückgewiesen.

Entscheidung:

Auch das OLG Brandenburg hält die hiergegen eingelegte Beschwerde der Großeltern für unbegründet und führt in seinem Beschluss vom 17.05.2010 wie folgt aus:

Bestehen zwischen dem betreuenden Elternteil und den Großeltern von Streit geprägte Spannungen, ist davon auszugehen, dass ein Umgang des Kindes mit den Großeltern zu seelischen Belastungen und Loyalitätskonflikten des Kindes führen würde. Da dies nicht dem Kindeswohl dient, müssen in diesem Fall Umgangsregelungsanträge zurückgewiesen werden.

Anmerkung/Praxishinweis:

Allein wegen der Verwandtschaftsbeziehung steht den Großeltern kein eigener Anspruch auf Umgang mit ihrem Enkelkind zu. Es ist darüber hinaus erfor-derlich, dass der Umgang mit dem Wohl des Kindes vereinbar ist. Dies wird jedoch gerade nicht ohne Weiteres vermutet, sondern muss im Einzelfall positiv festgestellt werden. Die Beweislast hierfür tragen die Großeltern. Dies ist kein Problem, wenn in der Vergangenheit gute und intensive Beziehungen zwischen den Großeltern und dem Enkel bestehen und eine feste Bindung vorliegt. Ist jedoch das persönliche Verhältnis der Großeltern zu dem sorgeberechtigten Elternteil so tiefgreifend zerrüttet, dass es den Beteiligten nicht gelingt, unter Ausklammerung ihrer Konflikte einigermaßen normal miteinander umzugehen, ist ein Umgangsrecht zu versagen. Dies gilt in diesen Fällen selbst dann, wenn das Kind einen Kontakt zu den Großeltern ausdrücklich wünscht.

Praxistipp: Das Erziehungsrecht des Sorgeberechtigten hat vor dem Umgangsrecht Dritter stets Vorrang. Selbst wenn also den Großeltern Umgangsrechte zugesprochen werden, haben diese kein Recht zur Miterziehung. Sie haben jede Beeinflussung des Kindes zu unterlassen, die der Erziehung des Sorgeberechtigten zuwiderläuft. Das Kind soll vor einander widersprechenden Anleitungen geschützt werden.

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