Umgangsrecht: Besteht ein Kontaktanspruch der Eltern gegen den Willen des Kindes?


Das Umgangsrecht des nicht sorgeberechtigten Elternteils steht ebenso wie die elterliche Sorge des anderen Elternteils unter dem Schutz des Grundgesetzes. Dennoch ermöglicht das Gesetz im Zusammenspiel mit den verfahrensrechtlichen Regelungen gerichtliche Entscheidungen, welche die Umgangsbefugnis einschränken oder ausschließen.
Fraglich ist, ob eine derartige Beschränkung des Umgangsrechts auch dann möglich ist, wenn das Kind selbst keinen Kontakt zum betroffenen Elternteil wünscht.

Fall:

Der Vater begehrt die Regelung eines Umgangsrechtes mit seiner 16-jährigen Tochter. Diese lebt bei ihrer allein sorgeberechtigten Mutter. Mit ihrem Vater hat sie zu keinem Zeitpunkt zusammengelebt. Die Tochter lehnt einen Umgang mit ihrem Vater ausdrücklich ab. Besteht dennoch ein Umgangsrecht?

Entscheidung:

Das OLG Hamburg spricht sich in seinem Beschluss vom 12.03.2008 für das Kind aus und begründet dies wie folgt: 

§ 1684 BGB bietet Eltern keine Grundlage für einen Anspruch auf Kontakt gegen das Kind selbst. Das Gericht kann deshalb das Kind nicht verpflichten, den Umgang wahrzunehmen. Es ist auch nicht Aufgabe des Gerichts, das Kind zum Umgang zu überreden oder zu bedrängen.

Anmerkung/Praxishinweis:

Bei jüngeren Kindern ist grundsätzlich davon auszugehen, dass diese nicht aus eigenem Antrieb eine unüberwindliche Ablehnung des Umgangs entwickeln, so dass die vom betreuenden Elternteil geforderten Erziehungsmaßnahmen bei entsprechendem Bemühen auch gelingen sollten. Demgegenüber lässt sich ein Umgangsrecht gegen den erklärten Willen eines älteren Kindes nicht durchsetzen. Ein Umgang entgegen der ernsthaft geäußerten Ablehnungshaltung eines älteren Kindes ist dessen Entwicklung in der Regel eher schädlich als nützlich und deshalb zu vermeiden.
Die Altersgrenze dürfte jedenfalls bei 14 Jahren zu ziehen sein.

Praxistipp: Die Entscheidung sollte den betreuenden Elternteil nicht verleiten, das Umgangsrecht des anderen dadurch zu untergraben, dass ein entgegenstehender Kindeswille vorgeschoben wird. Der Elternteil selbst unterliegt nämlich der sog. Wohlverhaltensklausel, d. h., er hat alles zu unterlassen, was das Verhältnis zum anderen Elternteil beeinträchtigt. Es ist seine Aufgabe, die Bereitschaft des Kindes zum Umgang mit dem anderen Elternteil ausdrücklich und aktiv zu fördern.

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