Mangelhafte zahnprothetische Versorgung: Wann besteht ein Schadensersatzanspruch?


Eine mangelhaft zahnprothetische Versorgung muss zumindest mitursächlich für den Wegfall der Weiterverwendungsmöglichkeit der Prothese sein. Das Urteil behandelt die Frage, wie zu verfahren ist, wenn die Zahnprothese zwar nachweislich mangelhaft ist, diese aber aus Gründen, die nicht mit der Mangelhaftigkeit zusammenhängen, nicht mehr genutzt werden kann.

Fall:

Die Parteien streiten über Schadensersatzansprüche wegen mangelhafter zahnprothetischer Versorgung. Der Kläger wurde im Rahmen seiner Behandlung mit einer Brücke im Unterkiefer versorgt, die konstruktive Mängel aufwies. Diese Mängel führten dazu, dass die angestrebte Haltbarkeit und Funktion der Brücke für zehn bis 15 Jahre in Frage gestellt war. Bereits nach drei Jahren beanstandungsfreier Benutzung der Brücke musste diese wegen einer Zahnwurzelerkrankung an einem Pfeilerzahn entfernt werden, ohne dass dies konkret mit den konstruktiven Mängeln zusammenhing.

Entscheidung:

Die Klage des Patienten hatte in beiden Instanzen keinen Erfolg. Mit Urteil vom 04.09.2008 wies das OLG Naumburg die Klage mit folgender Begründung ab:

Es kann nicht festgestellt werden, dass die konstruktiven Mängel der prothetischen Versorgung zu einem Schaden beim Kläger geführt haben. Die Entfernung der Brücke erfolgte nicht etwa wegen einer unzureichenden Befestigung in Folge eines Konstruktionsmangels, sondern allein zur Eröffnung eines besseren Zugangs zu einem behandlungsbedürftig erkrankten Zahn. Nach Abschluss der Behandlung des Zahns konnte die gegenständliche Brücke objektiv nicht mehr weiter verwendet werden. Dem Kläger gelang der Beweis nicht, dass die Brücke ohne Konstruktionsfehler, d.h. bei ursprünglicher Verwendung auch nach der Behandlung weiter verwendbar gewesen wäre. Daher fehlt es an einem dem Behandlungsfehler zurechenbaren Schaden.

Anmerkung/Praxishinweis:

Voraussetzung für die Geltendmachung eines Schadensersatzes ist neben dem Vorliegen eines konkreten Behandlungsfehlers auch ein mit diesem Behandlungsfehler zusammenhängender Schaden. Sofern – wie hier – der Schaden auf einer anderen Ursache als dem Behandlungsfehler beruht, scheiden Ersatzansprüche aus.

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