Intravenöse Injektion durch erfahrene und fachgerecht ausgebildete medizinisch-technische Assistenten als Behandlungsfehler ?


Das Urteil nimmt zu der Frage Stellung, inwieweit die Übertragung intravenöser Injektionen zur Vorbereitung von Diagnosemaßnahmen auf erfahrene und fachgerecht ausgebildete Assistenten, die jedoch nicht Ärzte sind, einen Behandlungsfehler darstellt.

Fall:

Die Parteien streiten über einen Schmerzensgeldanspruch in Folge einer fehlerhaft ausgeführten intravenösen Injektion, die von einer medizinisch-technischen Radiologie-Assistentin vorgenommen wurde.

Entscheidung:

Die Klage wurde sowohl erstinstanzlich als auch in der zweiten Instanz vom Oberlandesgericht Dresden mit Urteil vom 24.07.2008 abgewiesen. Zur Begründung führte das Oberlandesgericht Dresden folgendes aus:

Es stellt keinen Behandlungsfehler dar, wenn einer erfahrenen und fachgerecht ausgebildeten medizinisch-technischen Assistentin für Radiologie intravenöse Injektion zur Vorbereitung von Diagnosemaßnahmen übertragen werden, sofern für eine regelmäßige Kontrolle und Überwachung durch den Arzt Sorge getragen wird.  Eine medizinisch-technische Assistentin ist generell berechtigt, unter Aufsicht des verantwortlichen Arztes intravenöse Injektionen vorzunehmen. Zwar stellt eine derartige Injektion einen Eingriff dar, der zum Verantwortungsbereich des Arztes gehört. Es handelt sich hierbei aber nicht um eine Tätigkeit, die auf Grund ihrer Schwierigkeit, Gefährlichkeit oder Unvorhersehbarkeit zwingend von einem Arzt erbracht werden muss.

Anmerkung/Praxishinweis:

Im konkreten Fall war die Besonderheit zu berücksichtigten, dass die betreffende Injektion von dem beauftragten Sachverständigen im Hinblick auf die damit verbundenen Risiken mit einer Blutentnahme, die ebenfalls regelmäßig auf nichtärztliche Fachkräfte übertragen wird, verglichen wurde.

Grundsätzlich wird im Hinblick auf die Delegationsfähigkeit von Injektionen auf das damit verbundene Komplikationsrisiko abgestellt werden müssen. Bedenken, die im Hinblick auf das Komplikationsrisiko gegen die Zulässigkeit von Injektionen durch nichtmedizinisches Fachpersonal geäußert werden, kann bei nur geringen Risiken durch eine regelmäßige Überwachung des nichtärztlichen Personals Rechnung getragen werden.

 

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